Habt ihr einen Globus zu Hause stehen, auf dem du jederzeit nachschauen kannst, wo auf der Welt ein bestimmtes Land liegt?
Vor ein paar tausend Jahren wussten die Menschen nicht einmal, dass die Erde rund ist. Sie hielten sie für eine Scheibe, über der sich der Himmel mit den Sternen wölbt! Na klar: Schließlich kannten sie niemanden, der kopfüber auf der Erde lebt. Und wenn du schon mal am Meer warst, weißt du auch, dass der Horizont ganz flach aussieht und nicht gekrümmt.
| Schon die alten Griechen stellten aber fest, dass das mit der Scheibe so nicht ganz stimmen konnte. Sie beobachteten zum Beispiel, dass Schiffe, die am Horizont verschwanden, nicht einfach immer kleiner wurden. Vielmehr sah es so aus, als würden sie einen Hang hinunter fahren: Zuerst verschwand der Rumpf und am Ende sah man auch die Segel nicht mehr. |
Auch bei einer Mondfinsternis wirft die Erde zu jeder Tageszeit einen runden Schatten auf den Mond.
Eine Scheibe würde aber meistens einen ovalen (eiförmigen) Schatten werfen. Die Erde musste also rund sein,
davon waren viele griechische Gelehrte schon vor etwa 2.300 Jahren überzeugt. Als Tatsache anerkannt
wurde dies aber erst viele Jahrhunderte später.
Das „Ptolemäische Weltbild“ von Ptolemäus kam der Wahrheit schon ein wenig
näher, wie du gleich erfahren wirst.
Claudius Ptolemäus lebte von etwa 100 bis 180 n. Chr. Er war Mathematiker und Astronom in Alexandria. Dort schrieb er auf, wie das Weltall seiner Meinung nach aussah: Die Erde sei eine unbewegliche Kugel und alle anderen Planeten, die Sonne und der Mond würden sich um sie drehen. Das ist das „Ptolemäische Weltbild“. Man nennt es auch das „geozentrische Weltbild“, weil sich nach ihm die Erde (= griech. „geos“) in der Mitte, also dem „Zentrum“, befindet.
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Die Kirche war überzeugt, dass Ptolemäus Recht hatte. Schließlich stand ja schon in der Bibel, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei; also musste die Erde sich auch im Mittelpunkt des Weltalls befinden! |
Der Erste, der offiziell das geozentrische Weltbild anzweifelte, war der polnische Astronom Nikolaus Kopernikus. Er studierte die Schriften von Ptolemäus und beobachtete ebenfalls den Himmel. So wie die Sterne und die Planeten aber angeordnet sind, kam es ihm unwahrscheinlich vor, dass alle Himmelskörper sich um die Erde drehen sollten.
Bei seinen Untersuchungen stieß er auf die Theorie eines anderen alten Griechen: Aristarch von
Samos hatte vermutet, dass die Erde als Kugel um die Sonne kreist. Das konnte passen!
Um 1512 veröffentlichte Kopernikus schließlich eine eigene Theorie, nach der alle Planeten – auch
die Erde – sich auf Kreisbahnen um die Sonne bewegen. Gleichzeitig drehen sie sich um ihre
eigene Achse. Auf der Erde kommen so Tag und Nacht zu Stande!

Für die Kirche waren die Erkenntnisse von Nikolaus Kopernikus Gotteslästerung, denn sie stellten die Erde und den Menschen nicht mehr in das Zentrum, sondern an den Rand der Schöpfung. Deshalb verbot die Kirche kurzerhand die Schriften von Kopernikus!
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Gleichzeitig waren aber auch anderswo junge Astronomen fleißig. In Italien lebte Galileo Galilei (von 1564 - 1642), den die Arbeit von Kopernikus schon lange faszinierte. Als in Holland das Fernrohr erfunden wurde, baute Galilei es nach und versuchte selbst herauszufinden, ob Kopernikus Recht hatte. Er beobachtete die Sterne und entdeckte dabei zum Beispiel vier Monde des Planeten Jupiter. Diese vier Himmelskörper drehen sich NICHT um die Erde! Galilei fand noch andere Hinweise, dass sich auch die Planeten nicht um die Erde, sondern um die Sonne drehen, und setzte sich deshalb öffentlich für das „heliozentrische“ Weltbild (griech. „helios“ = Sonne) von Nikolaus Kopernikus ein. |
Dadurch bekam er schwere Probleme mit der katholischen Kirche. Der Papst rief ihn nach Rom, wo er wegen Ketzerei (d. h. Gotteslästerung) verurteilt und eingesperrt wurde.
Außerdem musste er seine Ansichten widerrufen, also erklären, dass sie falsch
sind – und das, obwohl er Recht hatte!
Es gab allerdings noch ein paar Ungereimtheiten im Weltbild von Kopernikus. Wenn man
danach berechnete,
wo sich die Sterne am nächsten Abend befinden würden, stimmte das oft nicht. Anfang des 17.
Jahrhunderts fand ein anderer Astronom die Lösung: Der Deutsche Johannes Kepler entdeckte,
dass die Planeten sich nicht auf kreisrunden Umlaufbahnen um die Sonne bewegen, sondern auf
elliptischen, also ovalen. Dadurch befinden sie sich nicht immer im gleichen Abstand von der Sonne.
Je näher sie der Sonne sind, desto schneller bewegen sie sich, weil die Sonne sie anzieht.

Als bekannt wurde, dass die Erde „frei im Weltall schwebt“ und ständig in Bewegung ist, fühlten sich die Menschen zutiefst verunsichert. Heute wissen wir mehr von der Erde und den anderen Planeten als damals denkbar war. Faszinierend, oder?